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Vergrößerte Prostata (BPH): Symptome, Diagnose und welche Behandlung wann hilft

Nächtlicher Harndrang und ein schwacher Strahl gehören zu den häufigsten Beschwerden von Männern ab 50. Meist steckt eine gutartige Prostatavergrößerung dahinter – gut behandelbar, aber abklärungsbedürftig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gutartig: Die BPH ist kein Prostatakrebs, kann aber Beschwerden und Komplikationen verursachen.
  • Leitsymptome: häufiger und nächtlicher Harndrang, schwacher Strahl, Restharngefühl.
  • Basisdiagnostik: IPSS, Tastuntersuchung, Ultraschall mit Restharn, Uroflowmetrie, PSA nach Aufklärung.
  • Therapie: von kontrolliertem Zuwarten über Alphablocker und 5-ARI bis zu TURP oder HoLEP.
  • Notfall: plötzlich kein Wasserlassen mehr möglich – sofort in eine Klinik.


Symptome des unteren Harntrakts (LUTS)

Speicher- und Entleerungssymptome bei BPH
SpeichersymptomeEntleerungssymptome
Häufiges Wasserlassen am TagVerzögerter Start
Nächtlicher Harndrang (Nykturie)Schwacher, unterbrochener Strahl
Plötzlicher, kaum aufschiebbarer DrangPressen, Nachträufeln, Restharngefühl

Sofort ärztliche Hilfe bei

vollständigem Harnverhalt (kein Wasserlassen trotz starkem Drang), Blut im Urin, Fieber mit Flankenschmerz oder starken Schmerzen beim Wasserlassen.


Anleitung: In 6 Schritten zur passenden Behandlung

  1. Schritt 1

    Beschwerden mit dem IPSS-Fragebogen erfassen

    Der internationale Prostata-Symptomenscore bewertet sieben Fragen mit 0 bis 35 Punkten. Bis 7 Punkte gelten Beschwerden als mild, 8 bis 19 als mittel, ab 20 als schwer – ein guter Ausgangspunkt fürs Arztgespräch.
  2. Schritt 2

    Miktionsprotokoll über drei Tage führen

    Notieren Sie Trinkmenge, Uhrzeit und Menge jeder Blasenentleerung sowie nächtliche Toilettengänge. Das zeigt, ob eher Trinkverhalten, Blase oder Prostata im Vordergrund stehen.
  3. Schritt 3

    Urologische Untersuchung wahrnehmen

    Tastuntersuchung, Urinstatus, Ultraschall mit Restharnbestimmung und Uroflowmetrie klären Ausmaß und Folgen. Über eine PSA-Bestimmung wird nach Aufklärung gemeinsam entschieden.
  4. Schritt 4

    Alltagsmaßnahmen konsequent umsetzen

    Bei milden Beschwerden reicht oft kontrolliertes Zuwarten mit weniger Alkohol und Koffein, angepasster abendlicher Trinkmenge und Blasentraining – begleitet von Kontrollterminen.
  5. Schritt 5

    Medikamentöse Therapie ärztlich abstimmen

    Je nach Prostatavolumen und Begleitproblemen kommen Alphablocker, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, Kombinationen oder Tadalafil 5 mg infrage. Wirkung und Nebenwirkungen nach 4 bis 12 Wochen bewerten.
  6. Schritt 6

    Bei Komplikationen operative Optionen prüfen

    Bei Harnverhalt, hohem Restharn oder unzureichender Wirkung der Medikamente die Verfahren TURP, HoLEP oder minimalinvasive Alternativen mit Blick auf Erhalt von Kontinenz und Ejakulation besprechen.


Medikamentöse Therapie im Überblick

  • Alphablocker (z. B. Tamsulosin, Silodosin): entspannen die glatte Muskulatur von Blasenhals und Prostata, Wirkung innerhalb weniger Tage. Mögliche Nebenwirkungen: Schwindel, Blutdruckabfall, retrograde Ejakulation.
  • 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (Finasterid, Dutasterid): verkleinern die Prostata über 6 bis 12 Monate und senken das Risiko für Harnverhalt und Operation. Sie halbieren den PSA-Wert – das muss bei der Krebsvorsorge berücksichtigt werden. Mögliche Nebenwirkungen betreffen Libido und Erektion.
  • Tadalafil 5 mg täglich: zugelassen bei BPH-Beschwerden, besonders sinnvoll bei gleichzeitiger erektiler Dysfunktion. Nicht mit Nitraten kombinieren.
  • Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten: bei überwiegenden Speichersymptomen, nur bei geringem Restharn.
  • Phytotherapie (Sägepalme, Brennnesselwurzel, Kürbissamen): gut verträglich, Wirksamkeitsnachweis uneinheitlich.

Wann eine Operation sinnvoll ist

Eine operative Behandlung wird empfohlen bei wiederholtem Harnverhalt, hohem Restharn, Blasensteinen, wiederkehrenden Harnwegsinfekten, Blutungen aus der Prostata, drohender Nierenschädigung oder wenn Medikamente nicht ausreichend wirken.

  • TURP: langjähriger Standard bei mittlerem Prostatavolumen, endoskopisch über die Harnröhre.
  • HoLEP / Laserverfahren: auch bei großen Drüsen geeignet, meist geringerer Blutverlust und kürzere Katheterzeit.
  • Minimalinvasive Alternativen (z. B. Wasserdampf- oder Implantatverfahren): schonender für die Ejakulation, jedoch häufiger Nachbehandlungen.

Besprechen Sie vor dem Eingriff ausdrücklich die Auswirkungen auf Ejakulation, Erektion und Kontinenz – hier unterscheiden sich die Verfahren deutlich.

Alltag, Vorbeugung und Vorsorge

  • Trinkmenge über den Tag verteilen, abends zwei Stunden vor dem Schlaf reduzieren.
  • Alkohol und Koffein einschränken, beide fördern den Harndrang.
  • Regelmäßige Bewegung und Gewichtsreduktion senken das Fortschreitungsrisiko.
  • Vorsicht bei abschwellenden Erkältungsmitteln und Antihistaminika – sie können einen Harnverhalt auslösen.
  • Ab 45 Jahren bietet die gesetzliche Krebsfrüherkennung eine jährliche urologische Untersuchung; die PSA-Bestimmung erfolgt nach Aufklärung.


Häufige Fragen zur vergrößerten Prostata

Was ist eine gutartige Prostatavergrößerung?

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine altersbedingte, gutartige Vermehrung von Drüsen- und Bindegewebe in der Prostata. Sie ist kein Krebs. Weil die Prostata die Harnröhre umschließt, kann die Vergrößerung den Harnfluss behindern. Etwa jeder zweite Mann über 60 ist betroffen.

Welche Symptome sind typisch?

Häufiges Wasserlassen, nächtlicher Harndrang (Nykturie), abgeschwächter Strahl, verzögerter Start, Nachträufeln und das Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung. Fachlich fasst man dies als Symptome des unteren Harntrakts (LUTS) zusammen.

Ist eine vergrößerte Prostata gefährlich?

Die BPH selbst ist gutartig. Unbehandelt kann sie jedoch zu Restharn, wiederkehrenden Harnwegsinfekten, Blasensteinen, akutem Harnverhalt und im Extremfall zu Nierenschäden führen. Deshalb sollten Beschwerden ärztlich beurteilt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Über den IPSS-Fragebogen, die Tastuntersuchung, Urinuntersuchung, Ultraschall von Prostata und Restharn, Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie) sowie in der Regel eine PSA-Bestimmung nach Aufklärung, um einen Prostatakrebs abzugrenzen.

Welche Medikamente helfen bei BPH?

Alphablocker wie Tamsulosin entspannen die Muskulatur und wirken innerhalb weniger Tage. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid verkleinern die Prostata über Monate. Tadalafil 5 mg täglich ist bei BPH mit gleichzeitiger erektiler Dysfunktion zugelassen. Pflanzliche Präparate wie Sägepalme werden häufig genutzt, die Studienlage ist uneinheitlich.

Wann ist eine Operation nötig?

Bei wiederholtem Harnverhalt, hohem Restharn, Blasensteinen, wiederkehrenden Infekten, Blutungen, drohender Nierenschädigung oder wenn Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Standardverfahren sind TURP, Laserenukleation (HoLEP) und je nach Größe offene oder roboterassistierte Verfahren.

Was hilft im Alltag?

Abends weniger trinken, Alkohol und Koffein reduzieren, Blase in Ruhe und vollständig entleeren, Blasentraining, Gewichtsreduktion und Bewegung. Vorsicht bei abschwellenden Erkältungsmitteln und bestimmten Antihistaminika – sie können einen Harnverhalt auslösen.

Quellen und Transparenz

Grundlage sind die S2e-Leitlinie „Benignes Prostatasyndrom“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie, die EAU-Leitlinie zu nicht-neurogenen LUTS sowie Fachinformationen der genannten Wirkstoffe.

Unsere Inhalte werden redaktionell recherchiert und orientieren sich an Fachinformationen, Leitlinien und Angaben der Zulassungsbehörden.

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